Gebäude als System

Herausgeberschaft. Erschienen 2012 bei ETH Verlag und Interact Verlag

Mit Sturm

   

Bauen ist eine komplexe Denk- und Handlungspraxis, die sich mit ästhetischen, technischen, ökonomischen, rechtlichen, sozialen, ökologischen, politischen und kulturellen Aspekten auseinandersetzen sollte. Die Komplexität dieses Handelns ist nur noch in enger Zusammenarbeit unterschiedlicher Expertinnen und Experten bearbeitbar. Das Buch vereint 26 Beiträge, die das Gebäude in seinem gesellschaftlichen und sozialen Kontext, in seiner Materialität und Wirtschaftlichkeit, in seiner kulturellen Ausdrucksgestalt und als Ort der Kommunikation und Interaktion beleuchten. Im Sinne einer Kunst am Bau und einer Kunst am Planungsprozess hat der Künstler Ronny Hardliz den Buchinhalt ornamental bearbeitet und die Artikel mit verschiedenen künstlerischen Interventionen miteinander in Bezug gesetzt. Er begreift damit die Publikation selbst als eine Art Gebäude als System.

   

Kunst als Herstellung einer sozialräumlichen Aneignungskultur

Buckapitel in: Wilhelm et al.: Gebäude als System, 2012,121-137

Mit Juppien

     

Chinas Immobiliensektor und die mit diesem Sektor verbundene Bauindustrie boomen unaufhaltsam. Entsprechend hoch ist der Druck auf Architekten und Wohnbaugesellschaften, das eigene Produkt aufzuwerten um sich im Wettbewerb um Käufer erfolgreich zu behaupten. Eine Möglichkeit der Aufwertung von Bauprojekten ist die internationale Zusammenarbeit. Vor diesem Hintergrund luden zwei Architekturbüros und ihr Investor ein interdisziplinäres Team der Hochschule Luzern zu einem dreiwöchigen Aufenthalt nach Kunming, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Yunnan, ein. Durch die Zusammenarbeit sollte einerseits die Diskussion einer sozial und kulturell reflektierten Siedlungsentwicklung am Beispiel der Siedlung «Impression Kunming» angeregt und andererseits ein Dialog über das Beziehungsgeflecht «Stadtraum und Kunst» am Beispiel dieser Siedlung in Gang gesetzt werden. Das Team: zwei Künstler, eine Architektin und ich als Sozial- und Kulturwissenschaftlerin. 

 

Von der Kritik des statischen Objekts zur Erkundung des bewegenden Projekts

Buckapitel in: Wilhelm et al.: Gebäude als System, 2012, 302-311

 

Ohne jeden Zweifel ist eine fachimmanente, sich an ein Fachpublikum richtende Entwurfs-, Bau- und Architekturkritik notwendig. Sie ist ein Indiz ihrer Professionalisierung. Jede Profession hat ihre diskursiven Orte und ihre Fachsprache, die der gegenseitigen Verständigung, Kontrolle und Aufklärung dient. Gleichzeitig ist es wünschenswert, dass der Diskurs über Architektur und über das Bauen stärkeren Eingang in den lokal-, regional- und gesellschaftspolitischen und -kulturellen Diskurs findet. Kritik soll dabei nicht beurteilen und anklagen, sondern unseren Blick verschieben. Es ginge in der künftigen «Architekturkritik» um eine kritische Erkundung des dinglichen Wesens eines Gebäudes und nicht um eine Kritik seines objektiven Wesens. Damit rückt die empirische (und zugleich historische) Frage nach den gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedingungen und Konsequenzen eines Gebäudes gegenüber einer theoretischen Frage nach der ästhetischen Dimension des Gebäudes in den Vordergrund.

 

Interdisziplinarität im (Auf-)Bau

Buckapitel in: Wilhelm et al.: Gebäude als System, 2012, 33-41

 

Interdisziplinarität zeigt sich nicht im Gegenstandsbereich und auch nicht in der Methode. Sie zeigt sich in der fort- und andauernden kooperativen Beziehung. Das klingt zunächst banal, macht aber die interdisziplinäre Kooperation zum konstitutiven Faktor von Wissenschaft überhaupt. Und dadurch kommt in Zukunft dem Netz der interdisziplinären Beziehungen ein Vorrang vor den reinen Disziplinen und der individuellen Autorschaft zu.

Kooperative Gebäude- und Raumproduktionen

Artikel in: Urban.Art.Marks 2011

 

Die beiden immer noch gültigen und in der Ausbildung auch evozierten Selbstverständnisse des «Architekten als Autor» oder des «Architekten als Dienstleistungserbringer», erfassen die Komplexität dieser gesellschaftlichen Aufgabe nur unzureichend. Sowohl dem «Autor-Architekten» als auch dem «Dienstleistungs-Architekten» fehlt – natürlich nicht individuell, sondern strukturell – das Bewusstsein über die gesellschaftliche und kulturelle Funktion der Architektur und Raumentwicklung.  Die Komplexität dieses Handelns ist sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis verantwortungsvoll nur noch in enger Kooperation unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure bearbeitbar.

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Kontakt

Elena Wilhelm
Prof. Dr. phil., EMBA UZH, dipl. Sozialarbeiterin

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