Margrit Schaller und Elena Wilhelm 

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67. Berlinale

18.02.2018

Wir waren fünf Tage an der Berlinale und haben also nur etwa einen Drittel der Wettbewerbsfilme gesehen. Ein guter Querschnitt, wie es scheint, auch wenn der Siegerfilm TOUCH ME NOT nicht dabei war.

 

Von den mit Preisen geehrten haben wir zwei gesehen: ISLE OF DOGS, beste Regie, Animationsfilm von Wes Anderson. Ein böser Diktator verbannt alles Hunde auf die Abfall-Insel. Hübsch gezeichnet, gekonnt vertont mit Weltstars wie Bill Murray und Tilda Swinton, gute Einfälle, aber was uns genervt hat: Die Bösewichte sind Japaner (witzig, sie sprechen so und sind nicht übersetzt, die Hunde reden Englisch), die Anführer der Hundebefreier sind ein kleiner Bub und eine amerikanische Austauschstudentin, das einzige Wesen im Film mit blondem Haar – die sich als super mutiges Girl dem Diktator entgegenstellt. Die beiden Hundeladies sind hübsch und gebären Welpen… Wir können es nicht fassen, dass dieser westliche Imperialismus und das unsägliche Gender-Konstrukt in keiner einzigen Kritik auch nur angedeutet wurde.

 

Als beste Darstellerin wurde Ana Brun ausgezeichnet, worüber wir uns sehr freuen, auch weil es  ein wunderbar leiser, differenzierter  Film ist, dieser LAS HEREDERAS, (die Erbinnen). Ein älteres Lesbenpaar, das vom Verkauf des geerbten vornehmen Haushaltes lebt und trotzdem Schulden macht. Die eine Frau muss ins Gefängnis deswegen und allein schon die Szenen dort machen den Film sehenswert. Wir lernen sehr viel über das heutige Paraguay und das Serbeln einer Generation, die nur noch überlebt dank dem Vermögen früherer Generationen. Ana Brun spielt eine Frau die langsam zu Selbständigkeit und Stärke findet sehr fein, sehr stimmig.

 

Einer unserer Lieblinge, von Jury und Kritik kaum erwähnt: FIGLIA MIA. Ein auf Sardinien spielendes Familiendrama, eine intensive Geschichte um ein weggegebenes Kind, leidenschaftlich erzählt und gespielt.

 

DOVLATOV aus Russland, die Geschichte dieses Autors aus Leningrad, von dem in der Ära Breschnew nichts publiziert wurde. Eindrücklich und nachvollziehbar inszeniert: Die frustrierten, unglücklichen, verzweifelten Künstler/innen in der Sowjetunion der 70er Jahre, ihre klandestinen Treffpunkte, ihre Gespräche, die Angst. Alles im winterlichen Leningrad, in diffuser Helligkeit, was zum düsteren Inhalt meisterlich passt.

 

Und natürlich TRANSIT, der deutsche Film über eine Fluchtgeschichte aus dem 2. Weltkrieg, ziemlich frei nach dem Roman von Anna Seghers. Die Geschichte ist alt, gezeigt wird sie im Marseille von heute, das spannt einen sehr speziellen Bogen und macht auch Begegnungen mit heutigen Flüchtlingen aus Afrika möglich. Franz Rogowski spielt fantastisch und die gesamte deutsche Filmkritik konnte es nicht fassen, dass er nicht als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde – wir auch nicht.

 

Und BERLIN – ist halt eine so COOLE Stadt und immer, immer ist es gut, dort zu sein…

 

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Kontakt

Elena Wilhelm
Prof. Dr. phil., 
Executive MBA UZH, dipl. Sozialarbeiterin

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