Margrit Schaller und Elena Wilhelm 

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Pieter Bruegel - Once in a Lifetime - Man kann sich einfach nicht satt sehen

23.12.2018

Wahrscheinlich stimmt der Werbespruch des Kunsthistorischen Museums Wien: nur einmal im Leben gibt’s die Möglichkeit so viele Bruegelbilder versammelt zu sehen. Wir sind versucht zu sagen: ein Wunder, ein Kunst-Wunder. Man taucht ein in ein Universum prallvoll von Leben – Leben im 16. Jahrhundert. Und doch gehen uns all die Szenen so nahe, öffnen uns Herz und Sinne. Wir verlieren uns im Reichtum und der Dichte der dargestellten Szenen, verfolgen verblüfft die tausend Details des «Turmbau zu Babel», verlieren uns zwischen den rund 200 spielenden Kindern («Kinderspiele») und sind froh um die erläuternden Worte zum Verwirrspiel von «Kampf zwischen Fasching und Fasten». Und dann die Höhepunkte: Vier der sechs Bilder des Zyklus der Jahreszeiten (eines ging verloren, eines hängt in New York und wird nicht ausgeliehen). Zu sehen sind «Der düstere Tag», das Vorfrühlingsbild, «Die Heuernte» und «Die Heimkehr der Herde», die uns auf den vielen Bildebenen die Menschen und Arbeiten in Sommer und Herbst zeigen. Und dann stehen wir davor, vor «Die Jäger im Schnee». Unzählige Kopien haben wir gesehen und nun begegnen wir ihnen - den Jägern, den vor dem Wirtshaus Feuernden den schlittschuhlaufenden Kindern, den Holz Tragenden in dieser verschneiten Winterlandschaft, die sich im Hintergrund in zackigen Felsen verliert und über der die Vögel kreisen. Wir wären am liebsten ewig davor gestanden, aber die Menge der BesucherInnen liess uns doch weitergehen. Ein anderes, fast ebenso berühmtes Winterbild «Die Anbetung der Könige im Schnee» ist eine Leihgabe der Sammlung Oskar Reinhart, also in Winterthur zu Hause. Darauf, so wurden wir belehrt, ist wohl erstmals in der Malerei fallender Schnee abgebildet, vorher hat das offenbar kein Künstler gewagt.

Besonders gefallen hat uns auch die «Dulle Griet», das Bildnis eines unerschrockenen Weibes, die, gerüstet mit Schwert, Harnisch und Bratpfanne (!), mit einer Geldkiste unter dem Arm durch eine surrreal-magische Szenerie stürmt. Bruegel habe sich immer wieder über die hierarchischen Beziehungen zwischen Männern und Frauen lustig gemacht, heisst es im Beschrieb dazu.

Und, und, und: Zeichnungen, wenig bekannte Frühwerke, kleine Gemälde und die neusten Informationen über die Maltechnik des Meisters, die einem erklärt wie diese unglaublich winzigen Detailabbildungen überhaupt möglich wurden.

Nach drei Stunden sind wir wie aus einem Traum erwacht, müde und glücklich…

(noch bis 6. Januar 2019 – online ausverkauft)

 

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Kontakt

Elena Wilhelm
Prof. Dr. phil., 
Executive MBA UZH, dipl. Sozialarbeiterin

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